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Wer folgt auf Christian Haller, Kim de l’Horizon oder Martina Clavadetscher? Der Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV) und der Verein LiteraturBasel verleihen zum 16. Mal den Schweizer Buchpreis. In Kurzlesungen geben die Nominierten des Schweizer Buchpreises Einblick in ihre Werke. Die Illustratorin Lena Studer zeichnet live dazu.
Zora del Buono, "Seinetwegen" (C.H. Beck)
Der Vater war die grosse Leerstelle in Zora de Buonos Leben. Er starb im Alter von 33 Jahren bei einem Autounfall, als sie acht Monate alt war. Die Mutter hat kaum über ihn gesprochen. Mit über sechzig macht sich die Tochter auf die Suche nach dem Mann, der damals den Unfall verursacht hat, nach dem "Töter". Wer war er? Wie hat er die letzten sechzig Jahre mit dieser Schuld gelebt? In nüchterner, präziser Sprache erzählt Zora del Buono von der Konfrontation mit dem stets Verschwiegenen ihrer eigenen Familiengeschichte. Ein zutiefst menschliches, versöhnliches Buch.
Zora del Buono, geboren 1962 in Zürich. Sie studierte Architektur an der ETH Zürich und war fünf Jahre Bauleiterin im Nachwende-Berlin. Sie ist Gründungsmitglied und Kulturredakteurin der Zeitschrift mare. Zuletzt erschienen "Gotthard" (2015) und "Die Marschallin" (2020). "Seinetwegen" stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2024.
Mariann Bühler, "Verschiebung im Gestein" (Atlantis Verlag)
Drei Figuren, die nichts voneinander wissen und doch verbunden sind – durch die Gegend, das Dorf und die drängende Frage, wie es weitergehen soll. Denn alle drei befinden sich in existentiellen Umbruchsituationen: Elisabeth übernimmt nach dem Tod ihres Mannes die Dorfbäckerei. Alois führt den Familienhof und kämpft mit seiner Einsamkeit. Und eine junge Frau kehrt ins Dorf zurück, um zurückzuschauen und sich neu zu orientieren. Ein Heimatroman der anderen Art, der sich durch seine knappe Sprache, gekonnte Schnitte und ein ungewöhnliches Sensorium für alltägliche Handlungen auszeichnet.
Mariann Bühler, geboren 1982 in der Zentralschweiz, ist Autorin, Literaturvermittlerin und als Veranstalterin tätig. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie mit einem Werkbeitrag des Fachausschusses Literatur beider Basel und der Zentralschweizer Literaturförderung ausgezeichnet. "Verschiebung im Gestein" ist ihr Debüt. Sie lebt in Basel.
Martin R. Dean, "Tabak und Schokolade" (Atlantis Verlag)
Als junge Frau wurde Deans Mutter von einem Mann der westindischen Oberschicht schwanger. Nach ihrem Tod findet der Erzähler Fotos aus seiner frühen Kindheit, die er in Trinidad und Tobago verbrachte, und beginnt zu recherchieren. Seine Suche führt ihn in eine britische Kronkolonie und weiter zurück bis zu seinen indischen Vorfahren, die als Kontraktarbeiter in die Karibik verschifft wurden. Aber auch die Welt der aargauischen Grosseltern und ihr Versuch, das Abenteuer der Mutter «bei den Wilden» auszulöschen, wird erforscht. Indem Dean bildhaft von seinem Leben erzählt, stösst er zu grösseren Fragen rund ums Thema Kolonialismus vor.
Martin R. Dean, geboren 1955 in Menziken, Aargau, als Sohn eines aus Trinidad stammenden Vaters und einer Schweizer Mutter, studierte Germanistik, Ethnologie und Philosophie an der Universität Basel, unterrichtete an der Schule für Gestaltung in Basel und am Gymnasium in Muttenz. Zuletzt erschienen: "Meine Väter" (Neuausgabe 2023) und "Ein Stück Himmel" (2022). Er lebt in Basel.
Béla Rothenbühler, "Polifon Pervers" (Der gesunde Menschenversand)
Es geht um Kunst, «Konscht». Oder doch eher um "Onderhaltig". Und um Geld. In einer Schweizer Kleinstadt gründen Sabine und Chantal den Kulturverein "Polifon Pervers". Sie machen eine Uni-Theatergruppe mit gewagten Plänen gross, scharen Theaterbegeisterte um sich, und schlussendlich werden auch Hanf-Bauern zu Peformance-Künstlern. Ihre grösste Stärke: Sie wissen, wie man gute Anträge schreibt, um möglichst viel Geld von Förderstellen abzuholen. Bald folgen auf erste Unsauberkeiten alle möglichen Formen des Betrugs. Eine leichtfüssige Persiflage auf die Kulturszene, die nicht zuletzt von einem erfrischend aktuellen Gebrauch der Luzerner Mundart lebt.
Béla Rothenbühler, geboren 1990 in Reussbühl, ist freischaffender Dramaturg, Autor, Sänger, Gitarrist, Fundraiser, Kulturkomissionsmitglied. Seit 2016 Teil des freien Theaterkollektivs Fetter Vetter & Oma Hommage.
Michelle Steinbeck, "Favorita" (Park X Ullstein Verlag)
Fila wächst bei ihrer Grossmutter auf, ihre Mutter ist verschwunden. Als sie die Nachricht vom Tod der Mutter aus Neapel erreicht, ist die Todesursache unklar: Leberzirrhose oder Mord? Fila begibt sich auf eine Reise, die sie zu einem Kollektiv feministischer Widerstandskämpferinnen, faschistischen Deserteuren und einem historischen Femizid führt. Auch Tote geistern herum. Steinbecks zweiter Roman ist ein kraftvoll erzählter Rachekrimi, ein literarischer Roadtrip durch ein neo-faschistisches Italien und eine furchtlose Auseinandersetzung mit Fragen nach Identität, Begehren und patriarchaler Gewalt.
Michelle Steinbeck, geboren 1990, aufgewachsen in Zürich, schreibt Prosa, Lyrik und für Theater, Magazine und Zeitungen. Ihr Debüt "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch" war für den Schweizer sowie den Deutschen Buchpreis nominiert. Sie lebt in Basel.

