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In seinem eindringlichen Roman „Mitternachtssammler“erzählt Zia Qasemi die Geschichte von Musa, einem symbolträchtigen Charakter, der für die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Afghanistan steht. Aufgewachsen im kleinen Dorf Zarßang, begegnet Musa dem Alltag mit Mut und Würde – bis sein tragischer Tod durch die Grausamkeit der Taliban alles verändert.
Qasemi zeichnet ein authentisches Bild des Dorflebens, eingebettet in die kulturellen Traditionen und sozialen Strukturen Afghanistans. Der Tod Musas wird zum erschütternden Wendepunkt, der das gesamte Dorf in Trauer und Angst zurücklässt. Doch zugleich gibt es auch Spuren von Hoffnung und Widerstand.
Über den Roman spricht Zia Qasemi mit dem Autor und Kulturjournalist Gerrit Wustmann. Jutta Himmelreich dolmetscht.
Zum Buch:
Zia Qasemi: Mitternachtssammler. Übersetzt aus dem Persischen von Kurt Scharf und Ali Abdollahi. Die Übersetzung wurde gefördert von Litprom e.V. in Kooperation mit dem Goethe-Institut.
Zia Qasemi, afghanischer Dichter und Schriftsteller, wurde 1975 in Behsud, Afghanistan, geboren. 1985 emigrierte er mit seiner Familie in den Iran, wo er seine Ausbildung bis zum Bachelor-Abschluss in Fernsehregie an der Iran Broadcasting University fortsetzte.
In Teheran gründete er das „Haus der Literatur Afghanistans“ und leitete es drei Amtszeiten lang. Als Schriftsteller und Poet hat er sich einen Namen gemacht und mehrere Auszeichnungen für seine literarischen Werke erhalten.
Im Jahr 1386 (2007) kehrte Zia nach Afghanistan zurück. Dort arbeitete er unter anderem für die Unabhängige Hilfsorganisation für Menschenrechte, verantwortete die Kultur- und Filmrubriken der Zeitung Hasht-e Subh und unterrichtete an der Kunstakademie der Universität Kabul.
Darüber hinaus produzierte er zwei Dokumentar- und zwei Kurzfilme. Bislang hat er vier Gedichtbände und zwei Romane veröffentlicht. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen neben Vaghti Moosa Koshte Shodzahlreiche weitere Texte, die sich mit den Themen Krieg, Flucht und Identität auseinandersetzen.
Qasemi reflektiert in seinen Arbeiten die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen seines Heimatlandes. Er ist bekannt für seine tiefgründige Analyse und seine Fähigkeit, komplexe Themen in einer zugleich zugänglichen wie bewegenden Weise darzustellen.
Gerrit Wustmann
Gerrit Wustmann, 1982 in Köln geboren, ist freier Schriftsteller, Journalist und Übersetzer. Er studierte Orientalistik, Geschichte und Politologie. Neben zahlreichen Prosatexten verfasste Gerrit Wustmann eine deutsch-türkische Lyrik-Trilogie über Istanbul und gab eine Anthologie mit persischer Lyrik im deutschsprachigen Raum heraus.
Jutta Himmelreich
Jutta Himmelreich ist freie Übersetzerin, Dolmetscherin und Dozentin in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Persisch. Sie versteht sich als Diplomatin im Dienst der Weltliteratur und legt den Schwerpunkt ihrer Arbeit darauf, Literatur aus dem Globalen Süden zu fördern und zu verbreiten. 2020 erhielt sie den vom Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen verliehenen Internationalen Literaturpreis.

