About
Mit: Johannes Franzen, Miryam Schellbach, Marie Schmidt (Mod.), Jan Wiele
Mit dem zunehmenden Reichweitenverlust der Literaturkritik gewinnt eine Frage an Virulenz: Wo – von wem – und auf Grundlage welcher Kriterien wird zukünftig entschieden, was (gute) Literatur ist? Diese Frage ist untrennbar verbunden mit der Entwicklung neuer Netzöffentlichkeiten, die leidenschaftlich und selbstbewusst die Sache selbst in die Hand nehmen und eigenständig bestimmen, was gut ist und was schlecht. Die traditionelle Literaturkritik als normative Instanz ist in diesem Umfeld weitestgehend stummgeschaltet, die Behauptung von Genregrenzen, die Unterscheidung von E und U, wird als elitär empfunden und häufig geradeheraus abgelehnt. Zugleich werden die Literaturen, die in diesem Bereich die Hauptrolle spielen – New Adult, Romance, Romantasy u.a. – auch für die Literaturverlage immer wichtiger, da hier der größte Wachstumsmarkt aufscheint. Die Literaturkritiker*innen Marie Schmidt (SZ), Jan Wiele (FAZ), die Claasen-Programmleiterin Miryam Schellbach und der Kulturwissenschaftler und Autor Johannes Franzen („Wut und Wertung“, S. Fischer 2024) diskutieren darüber, ob allmählich eine Phase „nach der Kritik“ beginnt, welche Formen des kritisches Diskurses unbedingt verteidigt werden müssen – und was es für die Beurteilung von Literatur bedeutet, wenn ein großer Teil der Leser*innenschaft plötzlich nach ganz eigenen Regeln spielt.

